Vienna Racket Club
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    3. WBV Doppelturnier 2013/14

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    3. WBV Doppelturnier 2013/14

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    3. WBV Doppelturnier 2013/14

  • (Foto: Sven Heise)


Unauffällig rollt der große, angenehm überfüllte, franzackengraue Multi-Van an. Auffällig, jedoch, beginnt ein kaffeebrauner Strom die rechte Seitenscheibe herabzurinnen. „Illegal? Scheißegal.“, hört man von der Hinterbank eine vorlaute, weibliche Stimme verkünden. „Das habe ich jetzt weder gehört noch gesehen.“, erklingt es ermahnend vom Beifahrer, der soeben noch eine Abend-Palette Bier im Kofferraum verstaut und eine todessichere, illegale Wette gewonnen hatte. Auffällig unauffällig verhält sich dabei die mittlere Sitzreihe. Zwei der drei dort hockenden jungen Hühnchen wirken irgendwie anders – beinahe schüchtern und wie von einer anderen Stange. Sie scheinen jedoch dem Herdentrieb gefolgt zu sein und mit der dominierenden Herde im Fahrzeug zu sympathisieren und in Hassliebe zu verharren.

Mit Gummibären, appetitanregenden Geschichten von Jürgen Kocht und wohlduftendem Fertigessen geht es im Schweinsgalopp aus Wien kommend an Presswurst vorbei und über Salzburg in Richtung Hinzbruck. Die Fahrt verläuft langwierig und ohne besondere Umkommnisse. Im sonderbar-geformt-aber-wunderschönen Hinterteil der Republik angekommen, schreit der hungrige Fahrer: „Eier, wir brauchen Eier.“, stürmt in den Multifunktionssaal, schaltet unauffällig den Fernseher ein und beginnt von Rückschlagsportarten zu schwärmen.

Viele Schläge und eine hart umkämpfte Nacht später, müssen die Auffälligen zunächst beim Bäcker Recht Ruprecht feststellen, dass die einheimische Fauna eigentlich recht liebensgewürzig ist. „Der erste Eindruck trügt nie“, sagt ein eher blass dafür angenehm verpeilt und aufrichtig wirkender junger Mann, den die Herde Dabriel zu nennen scheint. „Stimmt schon, die haben zwar’n Stock im Oarsch aber nicht in der Hand.“, ergänzt ein hagerer aber deep-und-dope-scheinender junger Mann, der auf den Namen Marko zu hören scheint. „Das ist in der Sache zutreffend. Die sind wirklich nett hier.“, ergänzt ein großgeborener Analyst namens Hannes. „Nett ist der kleine Bruder von Scheiße“, prustet daraufhin eines der beiden Hühnchen, das mit Joann angesprochen wird. Das andere Hühnchen, gekleidet im Shirt des Hard Rock Cafe Verona, grinst sich einen zurecht und freut sich – zu Recht.

Als die Spiele beginnen, starten die Auffälligen, natürlich völlig unbeeindruckt von den Unauffälligen, gut ins Turnier. „Easy“, hört man hin und wieder einen großkotzigen, jungen Mann mit Augenringen namens Pill feststellen. Auch die Atmosphäre in der Hinzbrucker Halle ist auffällig unauffällig. Ohne Cafeteria vermag keine wirklich heimelige Wettkampf- Atmosphäre aufzukommen. Ein großes Manko, welches die riskanten Manöver der jungen Fahrerin Marina, der Neuschnee beim abendlichen Hüttengaudi und der Wohnpalast im Kinderparadies allerdings schnell wettmachen.

Vom Spielerischen bleibt essentiell zu berichten, dass die Auffälligen zwar Ei zum Frühstück hatten, jedoch letzte Konsequenz gefehlt hat um heimtückische Schleichereien der Unauffälligen zu verhindern. Unter’m Strich reichte es dementsprechend für mittelmäßige Platzierungen: so wurde, beispielsweise, dem jungen Dabriel ein unbekannter Brandstifter zum Verhängnis. Dem jungen Pill zeigte ein, unerwartet sympathischer, Hordler den flinken Finkefinger. Hannes kämpfte unerwartet hart gegen den stark aufspielenden Verwechselten. Hinz und Kunz gelang ebenso wenig der Kunstgriff im Doppel wie Gabriel und Hannes sowie Marina und einem der Hühnchen. 

Mitunter den dreistesten, gar nicht mal so sympathischen Coup konnte der unbekannte Brandstifter landen: mit allerletztem Gezündel im dritten Satz konnte er den besten Auffälligen, König Lang-lang-kurz-kurz alias Mario, vom für ihn bereits vorgewärmten Thron fernhalten.

Einzig frohe sportliche Nachricht des Wochenendes verbleibt somit der, wenig erstaunliche, multiple Titelgewinn der namenlosen Miss Wunderkind, welche sich souverän durch das Turnier zauberte und darüber hinaus den hochdotierten Schlagtechnik-mit-Style-Award gewinnen konnte.

Als Randnotiz ist allerdings positiv zu bemerken, dass es den Auffälligen gleich doppelt gelang den Blitz in seine eigene Gasleitung einschlagen zu lassen. Ob und wie sehr dies den unbekannten, aber mit der Gasleitung assoziierten, Brandstifter tangierte bleibt zwar unklar aber naheliegend.

Gegen Ende der Rückfahrt dreht der Kapitän plötzlich die Musik für eine wichtige Durchsage zurück und fasst die Sachlage kurzerhand zusammen: „Um bessere Eier zu legen, ist eines glasklar: wir müssen jetzt klotzen, nicht klecksen!“ 

Detailergebnisse 3.ÖBV-B-RLT 2015/16

Phil WhoWill